die bio-psycho-soziale Wirkung von Tieren

In der Regel liegen in der bio-psycho-sozialen Wirkweise „systemische Wechselwirkungen“ [1] vor. 

Im Folgenden soll eine Zusammenfassung [2] der möglichen Wirkungen in den verschiedenen Bereichen gegeben werden, welche Carola Otterstedt nach Nestmann (1994) zitiert und in physische, mentale und soziale Wirkungsweisen unterteilt. Diese positiven Wirkungen können natürlich nur dann eintreten, wenn der Mensch den Tierkontakt grundsätzlich befürwortet.

 


[1] Vgl. Prothmann A. (2008). Tiergestützte Kinderpsychotherapie S. 25.

[2] Erhard; Otterstedt, Carola (Hrsg.) (2003). Menschen brauchen Tiere: Grundlagen und Theorie der tiergestützten Pädagogik und Therapie, Stuttgart: Kosmos, S. 66-68.


physiologische/physische Wirkung

In zahlreichen wissenschaftlichen Artikeln und Büchern kann man lesen, dass schon die reine Anwesenheit von Tieren, wie beispielsweise ein Aquarium im Wartezimmer, oder das Streicheln eines Hundes eine signifikante blutdrucksenkende Wirkung auf das Kreislaufsystem des Menschen haben. Kommen außerdem die ausgeglichenen Bewegungen oder das ruhige Atmen eines Lebewesens hinzu, wird die beschriebene Wirkung sogar noch gesteigert. Auch konnte festgestellt werden, dass Tierhalter sich langfristig einer besseren Gesundheit erfreuen und weniger Arztbesuche benötigen. Zusammengefasst kann ein unmittelbarer Kontakt eines Tieres mit dem Menschen folgende positive Auswirkungen auf den Körper haben:

  • Herz-Kreislauf-System: Eine Blutdruck- und herzfrequenzsenkende Wirkung und Puls- und Kreislaufstabilisierung über Streicheln und reine Präsenz eines Tieres konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden.
  • Bewegungsapparat: Der Körperkontakt zu Tieren und entspannte Interaktionen mit ihnen können zur Muskelentspannung führen und gleichgewichtsverbessernd wirken. Spastiken können abnehmen.
  • Nervensystem: Durch biochemische Veränderungen und neuro-endokrine Wirkungen (euphorisierende Effekte durch Freisetzung von Beta-Endorphinen) kann es zu einer Veränderung der Schmerzwahrnehmung kommen und somit zu einer Stabilisierung des Immunsystems.
  • Gesundheitsverhalten: Allgemeine motorische Aktivierung beispielsweise durch Bewegung an frischer Luft oder beim Spiel fördern das Muskelsystem, kann die Verdauung anregen, zu besserer Ernährung und Körperpflege motivieren, Übergewicht, Alkohol- und Nikotingenuss senken und eine regelmäßige Tagesstruktur fördern.
  • Lebenspraktische Hilfe: Praktische und technische Unterstützung wird insbesondere durch Servicetiere gegeben z.B. als Ersatz gestörter Sinneswahrnehmung. In diesem Bereich können Tiere Führung und Leitung für blinde oder gehörlose Personen übernehmen, Schutz und Sicherheit bieten und Arbeitsaufgaben erleichtern. 

psychologische Wirkung

Tiere „stellen keine Anforderungen und haben keine Erwartungshaltung. Sie nähern sich unvoreingenommen und akzeptieren jeden Menschen ohne Vorurteile. Sie schenken Vertrauen und sind auch vertrauenswürdig. Sie vermitteln Nähe, Sicherheit und Geborgenheit. Sie reagieren sensibel auf Stimmungen und Gefühle. Sie motivieren zum Leben.“[3] Vor allem „Hunde begegnen jedem Menschen wertfrei – sie zeigen ihre Kooperationsbereitschaft und Anpassungsfähigkeit ohne Vorbehalte. … Die Bindung zum Menschen macht sie zum idealen sozialen Partner auf vier Pfoten.“ [4] Damit sind wichtige Voraussetzungen, um sich positiv auf das psychische Befinden auszuwirken durch die Anwesenheit eines Tieres und der Interaktion mit ihnen mehr als gegeben

  • Kognitive Anregung und Aktivierung: Das Lernen über Tiere und Tierhaltung, die Anregung des Gedächtnisses (z.B. Tiernamen, bestimmte Abläufe) und vor allem der Austausch und die Gespräche mit anderen Menschen können positive Auswirkungen auf die kognitive Aktivierung haben.
  • Förderung emotionalen Wohlbefindens: Tiere können sich durch die ihrerseits bedingungslose Akzeptanz, Zuneigung, Bestätigung, Trost, Ermunterung, Zärtlichkeit, Intensität, spontane Zuneigung und Begeisterung stabilisierend auf die Befindlichkeit auswirken.
  • Förderung von positivem Selbstbild, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein: Dieser wichtige Bereich wird durch die konstante Wertschätzung durch die Tiere, aber auch durch die Erfahrung von Autorität und Macht der Kinder und durch die Bewunderung, die sie erfahren, angeregt. Zudem geben Tiere den Kindern das Gefühl gebraucht zu werden, sie müssen Verantwortung übernehmen und erleben Bewältigungskompetenz.
  • Förderung von Kontrolle über sich selbst und die Umwelt: Durch die Pflege, Versorgung, Führung, dem Gehorsamkeitstraining der Tiere und der dabei erforderlichen Selbstkontrolle, der Sensibilisierung für die eigenen Ressourcen und dem Muss zur aktiven Bewältigung können Bewältigungskompetenz, der Aufbau von Alltagsstrukturen und damit die eigene Kontrollerfahrung gefördert werden.
  • Förderung von Sicherheit und Selbstsicherheit, Reduktion von Angst: Die Förderung dieses Bereiches ist zum einem auf die „einfache Welt“ (Füttern, Vertrautheit), doch vor allem auf die unbedingte Akzeptanz und die konstante und kontinuierliche Zuneigung, die einem vom Tier entgegengebracht wird, zurückzuführen. Diese unbedingte Akzeptanz nennt man auch Aschenputtel-Effekt (= egal wie unattraktiv, ungepflegt, hilflos, langsam usw., das Tier zeigt jeder Person die gleiche Akzeptanz). Tiere können den Kindern das Gefühl von unkritischer Bewunderung geben und bieten eine unbedrohliche und belastungsfreie Interaktionssituation.
  • Psychologische Stressreduktion, Beruhigung und Entspannung: Diese Reaktionen können durch die durch Tiere angeregte Wahrnehmungs- und Interpretationsveränderung von Belastung und gelassenere Stressbewertung hervorgerufen werden. Tiere spenden Trost, wirken beruhigend und bieten Ablenkung von Angst machenden Stressoren.
  • Psychologische Wirkung sozialer Integration: Durch tierische Begleiter können sich die menschlichen Bedürfnisse nach Zusammensein, Geborgenheit, Erfahrung von Nähe und Gemeinsamkeit erfüllen und so die soziale Integration gefördert werden.
  • Regressions- Projektions- und Entlastungsmöglichkeiten (Katharsis): Das stille Zuhören, die Möglichkeit affektiver Entladung und emotionaler Offenheit und die Identifikations- und Projektionsfläche durch Tiere kann eine Regressions-, Projektions- und Entlastungsmöglichkeit schaffen.
  • Antidepressive Wirkung, antisuizidale Wirkung: Nicht zu Letzt haben all die genannten Aspekte Einflüsse auf Freude, Lebendigkeit, Spontaneität und Erleben von Spaß, eine antidepressive bis antisuizidale Wirkung.

 


[3] Vgl. Röger-Lakenbrink, I (2008).: Das Therapiehunde-Team: Ein praktischer Wegweiser (3. Auflage). Nerdlen/Daun. Kynos Verlag, S. 9

[4] Vgl. Röger-Lakenbrink, I. (2008): Das Therapiehunde-Team: Ein praktischer Wegweiser., S. 87

soziale Wirkung

„Tiere verhindern… nicht nur Einsamkeit, sie fördern soziale Interaktionen auch in Umgebungen, in denen wir üblicherweise weniger soziale Kontakte erleben.“ [5]

  • Aufhebung von Einsamkeit und Isolation: Einsamkeit und Isolation können durch Tierkontakt selbst, durch die Förderung von Kontakten und zwischenmenschlicher Interaktion in der Gegenwart von Tieren gemindert werden. Dabei dient das Tier einerseits als sozialer Katalysator und bietet andererseits eine Erleichterung der Kontaktaufnahme durch eine Form der Eisbrecherfunktion.
  • Nähe, Intimität, Körperkontakt: Diese drei Faktoren können durch das Erleben von Beziehungen und Verbundenheit gefördert werden.
  • Streitschlichtung, Familienzusammenhalt: Tiere selbst bieten eine Fülle von Gesprächsstoff und können so die intrafamiliäre Kommunikation und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.
  • Vermittler von positiver sozialer Attribution: Die positive soziale Attribution, die durch Tiere vermittelt wird, verschafft eine Art Sympathiebonus und erleichtert so die offene und unverkrampfte Interaktion mit anderen.

 


 [5] Vgl. Prothmann A. (2008). Tiergestützte Kinderpsychotherapie S. 31.


Betrachtet man diese zahlreichen positiven Effekte, darf man nicht vergessen, dass der reine Kontakt zum Tier oder die bloße Anwesenheit eines Tieres keine Krankheiten heilen können. „Tiere wirken sicher nicht bio-chemisch oder instrumentell auf kranke Organe oder auf den Organismus, sondern Tiere stärken oder bereichern das Gefüge von Beziehungen zwischen der Person und ihrer belebten Umgebung.“ [6] Nur im Sinne der ganzheitlichen Entwicklung kann von einer Art „heilsamen Prozesses“ gesprochen werden. Die Begegnung mit dem Tier löst also Impulse aus, die unsere körperlichen, seelischen und sozialen Kräfte beeinflussen. Anschließend ist es die Aufgabe des Therapeuten sich diese zu Nutze zu machen, zu bekräftigen und zu unterstützen. Dennoch sind sich Fachleute unterschiedlicher medizinischer und psychologischer Schulen einig, dass tiergestützte Interventionen jeglicher Art erfolgreiche Effekte bei psychisch kranken Menschen erzielen [7], warum es diese Effekte gibt, muss allerdings noch geklärt werden.

 


[6] Olbrich, Erhard; Otterstedt, Carola (Hrsg.) (2003). Menschen brauchen Tiere, S. 69.

[7] Greiffenhagen S. & Buck-Werner O. (2009). Tiere als Therapie. Neue Wege in Erziehung und Heilung (2. Aufl.). Nerdlen: Kynos Verlag. S. 171-172.

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